Peter Roth-Westdickenberg

Musiker, Musikwissenschaftler, Lehrer. Ich arbeite an der Frage, wie Wahrnehmung, Beziehung und Resonanz entstehen.

Wie diese Seite zu lesen ist

Ich trenne meine Arbeit nicht in Rollen. Ich folge einer Bewegung.

Wenn ich Musik mache, unterrichte, forsche oder schreibe, geht es immer um denselben Punkt: Wie kann ein Gegenüber wirklich erscheinen, ohne sofort vereinnahmt, erklärt oder verfügbar gemacht zu werden?

Peter Roth-Westdickenberg vor einer Berliner S-Bahn-Wand mit Street-Art
Peter Roth-WestdickenbergMusik, Bildung und Forschung aus dem Zwischenraum.

Wenn mich jemand fragt, was ich eigentlich mache, sage ich manchmal: Ich höre gerne dem Brot nach dem Backen beim Knistern zu.

Das ist keine Ablenkung von der Frage. Es ist die Antwort.

Denn das Knistern entsteht nicht im Brot und nicht im Zuhörer. Es entsteht dazwischen. Im Moment, in dem sich etwas setzt. Wenn Hitze und Zeit zu einer Form gefunden haben, die jetzt atmet. Wer nur aufs Ergebnis schaut, verpasst diesen Moment.

Ich versuche, ihn nicht zu verpassen.

Das ist der Kern meiner Philosophie des Zwischenraums: Der Zwischenraum ist nicht der Abstand zwischen zwei Dingen. Er ist die Bedingung, unter der Begegnung überhaupt möglich wird. In Resonanz gehen, ohne das Gegenüber zu vereinnahmen. Das klingt schlicht. Es ist die schwierigste Haltung, die ich kenne, und sie trägt alles, was ich tue.

Ich bin Musiker, Musikwissenschaftler, Anglist und Amerikanist (M.A. aus Regensburg, London und Berlin). Seit 2023 unterrichte ich Englisch und Musik an Schulen. 2023 zuerst in Ägypten an der Neuen Deutschen Schule Alexandria. Danach an der Jean Krämer Schule in Berlin. Seit 2024 habe ich das zweite Staatsexamen. Sechzehn Jahre lang habe ich davor meine eigene Musikschule geleitet und dort auch als Dozent gearbeitet.

Was aus diesem Denken entstanden ist, findet sich hier.

Philosophie

Die Philosophie des Zwischenraums ist kein Lehrbuch und keine Theorie. Es ist eine Philosophie, die aus Schmerz entstanden ist und aus der Entscheidung, ihn nicht zu verschwenden. Sie fragt, was bleibt, wenn Gewissheiten zerbrechen. Was Wahrheit bedeutet, wenn sie kein Besitz mehr ist, sondern ein Ereignis. Wie Beziehung möglich bleibt, ohne dass einer den anderen vereinnahmt. Die Antworten kommen nicht von oben. Sie kommen aus dem Leib, aus der Begegnung, aus dem Dazwischen, dort, wo Leben sich wirklich ereignet.

Musik

Pete & The Jam war die musikalisch aktive Form meiner Philosophie. In Resonanz treten mit einer Komposition, mit anderen Musikern, auf ihre Aufnahmen reagieren, das Eigene verändern, wo es nötig war, ohne sich selbst zu verraten. Derselbe Zwischenraum, nur in Klang. Daneben stehen Mathilda und weitere Projekte, die aus derselben Haltung heraus entstanden sind: In Beziehung treten, ohne sich aufzulösen.

Forschung

Meine musikwissenschaftlichen Texte entstehen aus einer Begegnung, die mich grundlegend verändert hat. Ägypten, Alexandria, war nicht Feldforschung. Es war die leibliche Erfahrung von Fremdheit: eine Musik, deren Wahrheit mein Körper nicht kannte, weil er nie gelernt hatte, so zu hören. Das hat mein eurozentristisches Weltbild erschüttert, nicht umgekehrt, aber in Frage gestellt. Was passiert, wenn das Gegenüber nicht exotisiert wird, sondern als eigenständiges, gleichwertiges Gegenüber erscheint? Diese Frage ist musikwissenschaftlich. Und sie ist dieselbe Frage, die mich im Klassenzimmer beschäftigt.

Bildung

Im Unterricht ist mir nicht wichtig, dass Schülerinnen und Schüler beim Blues zwölf Takte mitzählen können. Ich will, dass sich beim Aufheulen der Gitarre das Gesicht mit der Stimmung mitverzieht. Wahrnehmung sichtbar machen, nicht das einfach Skalierbare vermitteln und abprüfen. Wer lernt, Musik wirklich zu hören, übt etwas Grundlegenderes: in Resonanz treten mit etwas Fremdem. Eine Haltung entwickeln, bevor man urteilt. Das ist der Kern, nicht als pädagogisches Ziel unter anderen, sondern als Grundlage dessen, was wir gesellschaftlich und demokratisch gerade so dringend brauchen.

Hör rein. Lies. Und wenn etwas knistert: Ich freue mich, davon zu hören.

Peter Roth-Westdickenberg als Kind mit Akkordeon
UrsprungMusik als frühe Möglichkeit, mitzuspielen.
Peter Roth-Westdickenberg vor einer Berliner S-Bahn-Wand mit Street-Art
GegenwartBerlin, Person, Haltung.
Peter Roth-Westdickenberg im Studio am Flügel
KlangarbeitStudio, Handwerk, Aufnahme.
Peter Roth-Westdickenberg mit arabischen Instrumenten in Alexandria
BegegnungFremdheit nicht erklären, sondern hören.

Entwicklungsweg

Die Biografie hinter dieser Website ist keine gerade Linie. Sie ist eine Bewegung von Musik als Heimat zu Musik, Forschung, Bildung und Schreiben als verschiedenen Ausdrucksräumen.

Musik als Heimat

Mit fünf Jahren beginnt die Blockflöte, mit sechs das Klavier. Später kommen Akkordeon, Klarinette, E-Bass, Schlagzeug, Geige und Kirchenorgel dazu. Musik wird früh ein Ort, an dem Ausdruck und Orientierung möglich werden.

Musik als Teilnahme

Auf die Frage, warum ich so viele Instrumente spiele, antwortete ich einmal: „Irgendeiner fehlt in einer Besetzung immer – und so kann ich immer mit jemandem zusammen spielen.“ Rückblickend beschreibt dieser Satz mehr als Instrumentalunterricht. Er beschreibt Musik als Beziehung.

Studium und Umwege

Musikwissenschaft, Anglistik und Amerikanistik in Regensburg, London und Berlin entstehen nicht aus einem fertigen Lebensplan. Manche Entscheidung war Unsicherheit, manche glückliche Fügung. Gerade daraus wurden später Lehramt, Forschung und die Verbindung von Musik, Sprache und Bildung möglich.

Musikschule Westdickenberg

Aus erstem Klavierunterricht im Umfeld wächst eine Musikschule. Sechzehn Jahre lang werden Unterricht, Leitung, Arrangement, Komposition und Musikproduktion zur täglichen Praxis mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Alexandria

2023 wird Alexandria zu einem Wendepunkt. An der Neuen Deutschen Schule Alexandria begegne ich einer Musikkultur, deren Wahrheit mein Körper nicht kannte. Zugleich werde ich dort nicht zuerst als Musiker oder Musikschulleiter gelesen, sondern als Mensch.

Neuorientierung

Die Krise von 2025 verändert den Blick auf die eigene Identität. Musik bleibt wesentlich, aber sie ist nicht der einzige Kern. Schreiben, Forschung, Philosophie, Malerei, Websiteentwicklung und Curriculumdesign werden zu weiteren Räumen derselben Suche.

Was meine Arbeit trägt

Meine Arbeit entsteht nicht aus einem einzelnen Feld. Sie ist über viele Jahre zwischen Musik, Schule, Forschung, Bühne, Studio und Unterricht gewachsen.

Ausbildung und Schule

Abitur am Augustinus-Gymnasium Weiden, Musikwissenschaft, Anglistik und Amerikanistik in Regensburg, London und Berlin, Lehramtsausbildung und Zweites Staatsexamen.

Musikpädagogik

Sechzehn Jahre Musikschule Westdickenberg: Leitung, Unterricht, Klavier, Keyboard, Arrangement, Komposition, Musikproduktion und Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Musikalische Herkunft

Klassik, Oberpfälzer Volksmusik, Kirchenmusik, Jazz, Gospel, Pop, experimentelle Musik und später arabische Musik bilden keine Stilpalette, sondern eine Schule des Hörens.

Internationale Erfahrung

Die Neue Deutsche Schule Alexandria und die Begegnung mit arabischer Musikkultur wurden zum Ausgangspunkt für Das lernende Ohr und die Frage nach musikalischer Fremdheit.

Curriculum

Als Musiklehrer in Berlin entwickle ich ein modulares Curriculum, das Wahrnehmung, Handlung, Reflexion und Forschung miteinander verbindet.

Forschung

Resonanzorientierte Wahrnehmungsbildung, Forschungsmanual, Fragebogen, Hörbuchbogen, Codierleitfaden und Auswertungsarchitektur gehören inzwischen zu derselben Bewegung.

Was daraus entstanden ist

Die Biografie ist hier kein Nachtrag. Sie ist der Ort, von dem aus die vier Räume verständlich werden.

Philosophie

Texte über Wahrnehmung, Resonanz und den Zwischenraum.

Weiterdenken

Musik

Alben, Bandarbeit, Filmmusik und Sampling als klingende Praxis.

Hören

Forschung

Fremdheit, Maßstäbe und Unterricht als wissenschaftliche Frage.

Fragen verfolgen

Bildung

Module, Lernbewegungen und Unterrichtsmaterialien.

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