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Modul 2 - Durchführung der Stunde

Begegnung mit einer neuen Fremdheit

Funktionieren die entwickelten Hörwerkzeuge auch bei Musik, die wir noch nie gehört haben?

Worum es in dieser Stunde eigentlich geht

Die Leistung liegt im nachvollziehbaren Hörprozess, nicht im Erkennen von Bach, Bayati oder Stilwissen.

Wenn du die Stunde fachfremd übernimmst, hilft dir diese Leitfrage: Nicht „Wie erkläre ich Musik richtig?“, sondern „Welche Erfahrung sollen die Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt machen?“ Die musikalischen Begriffe sind nur Werkzeuge. Entscheidend ist, dass die Klasse erlebt, was sie hört, tut, ordnet, verbessert oder gemeinsam trägt.

Vorbereitung des Unterrichtsraums

Lege Hörbeispiele, Arbeitsblatt, Schreibmaterial und Projektionsmöglichkeit bereit. Die Klasse braucht einen klaren Wechsel zwischen Hören, Sprechen, Notieren und kurzem Austausch.

Bereitlegen: BWV 855, QR-/Audiozugang, Forschungsplakate, Bewertungsbogen, Reflexionsblatt.

Prüfe vor Stundenbeginn, ob die Materialien wirklich erreichbar sind. Was erst während der Stunde gesucht wird, unterbricht den Lernfluss. Lege außerdem fest, wo du selbst stehst, wenn du Ruhe herstellen, einen Versuch starten oder eine Reflexion einsammeln willst.

Einstieg und Rahmung

Beginne knapp, ruhig und ohne lange Vorrede. Die Schülerinnen und Schüler müssen wissen, was sie heute tun, warum das wichtig ist und woran sie merken, dass sie auf dem richtigen Weg sind.

„Heute untersuchen wir nicht, ob Musik richtig oder falsch ist, sondern wie wir sie wahrnehmen. Achtet darauf, was ihr erwartet, was euch irritiert und welche Orientierung euch beim Hören hilft.“

Danach formulierst du den konkreten Auftrag der Stunde in einem Satz: „Am Ende dieser Stunde sollen wir zeigen können, dass funktionieren die entwickelten Hörwerkzeuge auch bei Musik, die wir noch nie gehört haben?“ Wenn der Satz grammatisch nicht perfekt sitzt, ist das egal; wichtig ist, dass die Klasse den Arbeitsfokus hört.

Warm-up oder Ankommensphase

Die Ankommensphase ist kein Beiwerk. Sie holt die Klasse aus dem Flur, aus Pausengeräuschen und aus Nebenkommunikation in den gemeinsamen Arbeitsmodus. Halte sie kurz, aber ernst.

Wenn ein Warm-up vorgesehen ist, erklärst du es nicht theoretisch. Du gibst zuerst den Handlungsauftrag, lässt ihn einmal ausführen und sicherst dann mit einer einzigen Frage: „Was hat euch geholfen, gemeinsam zu bleiben?“ oder „Was habt ihr gerade wahrgenommen?“

Durchführung Schritt für Schritt

1. Gemeinsamen Start herstellen

UE6 Forschungsphase mit vier Gruppen; UE7 Kolloquium mit Denkweg-Präsentation und Komponisten-Enthüllung am Ende.

So kannst du es sagen: „Der erste Versuch muss noch nicht gelingen. Wir hören danach nur auf eine Frage: Was war schon klar, und welche eine Sache verbessern wir in der nächsten Version?“

Deine Rolle während der Stunde

Du bist Übersetzer zwischen Hörerfahrung und Sprache. Du musst nicht alle musikalischen Fachbegriffe liefern, sondern die Wahrnehmung der Schülerinnen und Schüler präzisieren helfen.

Greife ein, wenn der Arbeitsrahmen kippt, aber nicht bei jeder Unsicherheit. Unsicherheit ist in diesen Stunden oft produktiv: Die Klasse merkt, dass eine Vereinbarung, ein Klang, ein Step oder eine Wahrnehmung noch nicht trägt. Deine Aufgabe ist dann, den nächsten machbaren Schritt zu markieren.

Typische Stolperstellen

Die LEK prüft Denkwege; die Lehrkraft muss Ergebnisdruck und Namenswissen begrenzen. Die Herausforderung liegt in der Bewertungskultur. Schülerinnen und Schüler suchen oft nach der einen richtigen Lösung oder nach Komponistenwissen. Beides würde die eigentliche Leistung verdecken. Die Lehrkraft muss konsequent konkrete Wahrnehmung, Begründung und Reflexion bewerten. Mündliche Antworten sind gleichwertig, wenn sie präzise sind.

Wenn die Gruppe unruhig wird, verkleinere den Auftrag. Wenn sie zu schnell spielt oder spricht, verlangsame. Wenn sie eine Antwort von dir erwartet, gib die Frage zurück: „Woran würdet ihr merken, dass es funktioniert?“

Abschluss und Übergang

Transfer in eine neue musikalische Fremdheit.

Schließe die Stunde nicht nur organisatorisch, sondern inhaltlich. Eine mögliche Formulierung ist: „Heute haben wir nicht einfach etwas gemacht, sondern einen Schritt gelernt. Der Schritt war: Wir haben aus einem ersten Versuch eine bewusstere Entscheidung gemacht.“ Danach kündigst du an, wozu dieser Schritt in der nächsten Stunde gebraucht wird.

Übungskarten zur Stunde

Diese Karten helfen während der Durchführung: Aktivität, Übungslogik und konkrete Unterrichtshandlung.

Leistungsverständnis

Keine Prüfung über Bayati

Geprüft wird Transfer: Hörwerkzeuge auf BWV 855 anwenden, nicht Fakten über Bayati oder Bach aufzählen.

Bewertet wird nicht Stilwissen, sondern die Qualität des Wahrnehmungs- und Begründungsprozesses.

Forschungsphase

Forschungsplakat

Vier Gruppen arbeiten mit Aufmerksamkeit, Erwartung, Orientierung und Zuhause; Wahrnehmung ist die Grundlage aller Gruppen.

  1. Erste Begegnung
  2. Aufmerksamkeit
  3. Erwartung
  4. Orientierung
  5. Zuhause
  6. Reflexion
Kolloquium

Denkweg sichtbar machen

Im Kolloquium zählt der Weg vom ersten Hören zur Entdeckung, nicht ein fertiges Etikett.

Gruppen rekonstruieren, wie sie zu ihren Wahrnehmungen und Erkenntnissen gekommen sind.

Bewertung

0-15-Punkte-Raster

Wahrnehmung und Aufmerksamkeit tragen das Hauptgewicht; Reflexion kann hohe Hörkompetenz sichtbar machen.

Wahrnehmunggleich gewichtet
Begründunggleich gewichtet
Werkzeugegleich gewichtet
Reflexiongleich gewichtet

Praxis während der Durchführung

Diese Hinweise gehören nicht in den schnellen Überblick. Sie sind hier richtig, weil sie beim tatsächlichen Unterrichten helfen: Was bedeutet die Stunde im Modul, welche Reaktionen sind erwartbar, wo kann es haken und wie bleibst du handlungsfähig?

Unterrichtliche Vertiefung

Funktion der Stunde im Modul

Warum diese Stunde an dieser Stelle der Reihe steht.

Das lernende Ohr arbeitet nicht mit isolierten Einzelstunden, sondern mit einer Lernbewegung. Diese Stunde fokussiert: Begegnung mit einer neuen Fremdheit.

Übungen und Durchführung

Die zentralen Handlungsschritte aus der Stundenfassung, komprimiert für die Vorbereitung.

Forschungsplakat, individuelle Hörwege und Forschungskolloquium.

Übergang / Sicherung

Transfer in eine neue musikalische Fremdheit.

Didaktische Hinweise

Erwartbare Schülerreaktionen

Typische Äußerungen, Irritationen und produktive Lernmomente auf einen Blick.

Bewertungen wie „komisch“, „langweilig“, „traurig“ oder „alt“ markieren den Beginn eines Wahrnehmungsprozesses und werden nicht vorschnell korrigiert.

Handlungsempfehlungen nach Neuer Autorität

  • Präsenz zeigen: ruhig in der Nähe bleiben, Blickkontakt anbieten und den Arbeitsrahmen klar wiederholen.
  • Beziehung vor Eskalation: Irritationen oder Widerstand nicht öffentlich ausfechten, sondern ankündigen: „Ich komme gleich zu dir und wir klären den nächsten Schritt.“
  • Transparenz und Wiedergutmachung: Beiträge, die den Lernweg stören, in eine konkrete Verantwortung überführen: beobachten, sichern, Material ordnen oder einen nächsten Versuch mit vorbereiten.
Herausforderungen

Die LEK prüft Denkwege; die Lehrkraft muss Ergebnisdruck und Namenswissen begrenzen.

Die Herausforderung liegt in der Bewertungskultur. Schülerinnen und Schüler suchen oft nach der einen richtigen Lösung oder nach Komponistenwissen. Beides würde die eigentliche Leistung verdecken.

Die Lehrkraft muss konsequent konkrete Wahrnehmung, Begründung und Reflexion bewerten. Mündliche Antworten sind gleichwertig, wenn sie präzise sind.

Empfehlung für die Lehrkraft

Als Moderatorin oder Moderator nachfragen: „Welche Stelle meint ihr genau?“ „Was hat euch zu dieser Beobachtung geführt?“ Bewertet werden Wahrnehmung, Begründung, Anwendung der Werkzeuge und Reflexion.