Worum es in dieser Stunde eigentlich geht
Eine Klanggeschichte ist erst dann wirklich fertig, wenn die Gruppe sie nicht nur spielen, sondern auch erklären kann: Welche Entscheidungen wurden getroffen, und warum gerade diese? In dieser Stunde zählt nicht in erster Linie, wie perfekt das klangliche Ergebnis ist, sondern wie bewusst und nachvollziehbar die Gruppe ihren Weg dorthin gestaltet hat.
Wenn du die Stunde fachfremd übernimmst, hilft dir diese Leitfrage: nicht „Wie erkläre ich Musik richtig?", sondern „Welche Erfahrung sollen die Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt machen?" Entscheidend ist, dass jede Gruppe ihre Geschichte aufführt – und im Anschluss ihre eigenen Entscheidungen in Worte fassen kann.
Vorbereitung des Unterrichtsraums
Stelle die Stühle so, dass alle einander sehen können – für die Ankommensphase und für die Präsentationen selbst. Räume für die Generalprobenphase müssen wie in der vorherigen Stunde organisiert sein, falls Gruppen getrennt proben.
Bereitlegen: Instrumente und Notenständer für alle Gruppen, die Portfolios (Projektarbeits-Hefte) aller Schülerinnen und Schüler zur Abgabe am Ende der Stunde, sowie für jede zuhörende Schülerin und jeden zuhörenden Schüler ein eigener Beobachtungsbogen für die Präsentationen.
Einstieg und Rahmung
Beginne knapp, ruhig und ohne lange Vorrede.
Formuliere danach den konkreten Auftrag der Stunde:
Ankommensphase: Stille, Hörjournal, Brückenminute
Diese Stunde beginnt wieder mit der vollständigen Ankommensroutine.
1. Stille (2 Minuten)
Wie gewohnt, mit freier Blickrichtung.
2. Hörjournal
Kurzer Eintrag.
3. Brückenminute (ca. 30 Sekunden)
Vor dem Übergang zur aktiven Arbeit:
Durchführung Schritt für Schritt
1. Generalprobe in den Gruppen (ca. 10 Minuten)
Die Gruppen erhalten noch einmal Zeit für einen letzten Durchlauf.
Umgang mit Fehlzeiten: Falls ein Gruppenmitglied fehlt, muss die Gruppe selbst eine Lösung finden – etwa, dass eine andere Person das fehlende Instrument zusätzlich übernimmt, oder dass die Gruppe bewusst auf diesen Klanganteil verzichtet. Das ist eine Entscheidung, die die Gruppe trifft, nicht die Lehrkraft.
2. Sammlung im Klassenraum
Nach der Generalprobenphase kommen alle Gruppen im Klassenraum zusammen.
3. Reihenfolge der Präsentationen klären
Wenn sich keine Gruppe freiwillig meldet, legt die Lehrkraft die Reihenfolge fest.
4. Beobachtungsaufgabe für die zuhörenden Gruppen
Bevor die erste Gruppe auftritt, erhalten alle anderen Schülerinnen und Schüler den Beobachtungsbogen. Das Zuhören ist während dieser Stunde keine passive Wartezeit, sondern eine eigene Aufgabe.
Auf dem Beobachtungsbogen halten die Zuhörenden zu jeder Gruppe fest:
Was glaubt ihr, stellt diese Klanggeschichte dar – welcher Ort, welche Situation, welche Stimmung?
Welche konkreten Klänge oder Momente haben euch zu dieser Vermutung gebracht?
Gab es eine Stelle, die besonders stark gewirkt hat? Welche, und warum?
Gab es eine Stelle, die für euch unklar oder schwer einzuordnen war?
Dieser Bogen wird für jede Gruppe neu ausgefüllt und bleibt während der gesamten Stunde – auch während etwaiger Wiederholungsversuche derselben Gruppe – die durchgehende Aufgabe der Zuhörenden.
5. Präsentation der ersten Gruppe
Die Gruppe führt ihre Klanggeschichte auf. Alle anderen hören zu und füllen ihren Beobachtungsbogen für diese Gruppe aus.
6. Möglichkeit zur Nachbesserung – bis zu drei Versuche
Nach der Aufführung fragst du die Gruppe direkt, bevor das Reflexionsgespräch beginnt, ob sie mit dieser Fassung zufrieden ist oder noch etwas verbessern möchte.
Wenn die Gruppe etwas ändern möchte, bekommt sie die Gelegenheit zu einem weiteren Versuch – insgesamt stehen jeder Gruppe bis zu drei Aufführungsversuche zur Verfügung. Du kannst die Gruppe dabei auch gezielt unterstützen:
Höre auf die Antwort und reagiere darauf, wo das möglich ist – etwa mit einem kurzen Hinweis, einem Moment zur Sammlung, oder indem du eine Kleinigkeit am Aufbau änderst. Erinnere die Zuhörenden bei jedem weiteren Versuch kurz daran, ihren Beobachtungsbogen für diese Gruppe entsprechend zu ergänzen oder zu korrigieren. Erst wenn die Gruppe sagt, dass sie zufrieden ist, oder die drei Versuche ausgeschöpft sind, geht es weiter zum Reflexionsgespräch.
7. Reflexionsgespräch im Plenum
Im Anschluss an die finale Aufführung jeder Gruppe folgt ein kurzes Reflexionsgespräch – im Plenum, nicht unter vier Augen. Auch die zuhörenden Schülerinnen und Schüler dürfen Fragen stellen.
An dieser Stelle kommen auch die Beobachtungsbögen der Zuhörenden ins Spiel:
So wird die Vermutung der Zuhörenden mit der tatsächlichen Absicht der aufführenden Gruppe verglichen. Wichtig für die Bewertung: Im Mittelpunkt steht nicht, wie perfekt das klangliche Ergebnis war, sondern wie bewusst und nachvollziehbar die Gruppe ihre eigenen Entscheidungen erklären kann – und ebenso, wie nachvollziehbar die Zuhörenden ihre eigene Höreinschätzung begründen können.
8. Präsentation und Reflexion der weiteren Gruppen
Schritt 5 bis 7 werden für jede weitere Gruppe wiederholt (insgesamt zwei bis drei Gruppen).
9. Abgabe der Portfolios
Nachdem alle Gruppen präsentiert haben und die Reflexionsgespräche stattgefunden haben, geben alle Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Portfolio – das vollständige Projektarbeits-Heft – zur Bewertung ab. Die Zuhörenden geben dabei auch ihren ausgefüllten Beobachtungsbogen ab.
10. Rückblick: Wie viel ihr selbst übernommen habt
Bevor die Stunde endet, lenkst du den Blick noch einmal auf die ganze Reihe zurück – nicht auf das Klangliche, sondern auf die Rollenverteilung selbst:
Dieser Satz macht den Schülerinnen und Schülern ihre eigene Entwicklung sichtbar: von der Führung durch die Lehrkraft zur eigenständigen Organisation in der Gruppe.
Deine Rolle während der Stunde
Du moderierst die Reflexionsgespräche, ohne selbst die Antworten vorzugeben. Stelle offene Fragen und gib auch den zuhörenden Schülerinnen und Schülern Raum für eigene Fragen an die präsentierende Gruppe. Greife beim Krankheitsszenario nicht mit einer eigenen Lösung ein – das ist bewusst eine Entscheidung, die die Gruppe selbst trifft.
Typische Stolperstellen
Wenn eine Gruppe durch eine fehlende Person verunsichert ist, kann die Versuchung groß sein, als Lehrkraft schnell eine Lösung vorzuschlagen. Halte dich zurück – die Gruppe soll diese Entscheidung selbst treffen und im Reflexionsgespräch auch begründen können, wie sie damit umgegangen ist.
Beim Reflexionsgespräch besteht die Gefahr, dass es zu einer reinen Manöverkritik am Klangergebnis wird. Lenke den Fokus zurück auf die Entscheidungen: nicht „War das gut?", sondern „Warum habt ihr euch so entschieden?"
Die Möglichkeit zu bis zu drei Aufführungsversuchen pro Gruppe braucht Zeitgefühl: Wenn jede Gruppe alle drei Versuche nutzt, wird die Stunde knapp. Behalte die Uhr im Blick und entscheide situativ, ob ein zweiter oder dritter Versuch noch sinnvoll ist – die Nachfrage „Was würde euch helfen?" darf nicht zur reinen Verzögerung werden, sondern muss auf eine konkrete, umsetzbare Verbesserung zielen.
Abschluss und Übergang
Mit der Abgabe der Portfolios endet die bewertete Projektarbeit dieses Moduls.
Kündige den Abschluss der Reihe an: