← Zurück zur Modulübersicht

Modul 1 - Durchführung der Stunde

Der Soundwalk: Die Welt hören

Was hören wir, wenn wir unsere Umgebung bewusst wahrnehmen?

Worum es in dieser Stunde eigentlich geht

Ein Ort klingt nicht für alle gleich. Wer bewusst geht und hört, trifft bereits eine Auswahl: Erinnerung wird zum Material für Gestaltung.

Wenn du die Stunde fachfremd übernimmst, hilft dir diese Leitfrage: nicht „Wie erkläre ich Musik richtig?", sondern „Welche Erfahrung sollen die Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt machen?" Die musikalischen Begriffe sind nur Werkzeuge. Entscheidend ist, dass die Klasse erlebt, was sie hört, ordnet und für sich selbst sichert.

In dieser Stunde beginnt etwas Neues: Ab jetzt arbeiten die Schülerinnen und Schüler an ihrer eigenen, bewerteten Projektarbeit. Wichtiger als das klangliche Endergebnis, auf das die Projektarbeit zusteuert, sind von Beginn an die Mitarbeit und die Reflexion – das gilt bereits für diese erste Stunde und sollte, wo passend, auch so kommuniziert werden.

Vorbereitung des Unterrichtsraums

Stelle die Stühle so, dass alle den Auftrag gut aufnehmen können, bevor die Klasse den Raum verlässt. Das Heft mit den Arbeitsblättern der Projektarbeit liegt für jede Schülerin und jeden Schüler bereit; die erste Seite – das Soundwalk-Arbeitsblatt – wird heute bearbeitet, der Rest des Hefts bleibt vorerst geschlossen.

Bereitlegen: Projektarbeits-Heft (alle Arbeitsblätter), Stifte und Schreibunterlagen, Hörjournal. Keine Aufnahmegeräte.

Prüfe vor Stundenbeginn, welche drei Orte heute angesteuert werden – ein Spot im Schulgebäude, ein Spot vor dem Schulgebäude, ein Spot an einer Kreuzung – und ob diese Wege ohne Zeitverlust machbar sind. Bei knapper Zeit reichen auch zwei Orte. Plane fest ein, dass die Rückkehr in den Klassenraum etwa fünf bis zehn Minuten vor Stundenende erfolgt.

Einstieg und Rahmung

Beginne knapp, ruhig und ohne lange Vorrede.

Formuliere danach den konkreten Auftrag der Stunde:

Ankommensphase: Stille und Hörjournal

Auch der Auftakt der Projektarbeit beginnt mit der bekannten Ankommensroutine – sie entfällt hier nicht, obwohl die Stunde sonst einen neuen, größeren Rahmen hat.

1. Stille (2 Minuten)

Wie gewohnt, mit freier Blickrichtung.

2. Hörjournal

Kurzer Eintrag: Was wurde eben wahrgenommen?

Danach folgt die Erklärung, dass die Klasse heute in die Projektarbeit eintritt – siehe Einstieg und Rahmung oben.

Durchführung Schritt für Schritt

1. Arbeitsblatt austeilen und Auftrag erklären

Die Schülerinnen und Schüler erhalten das erste Arbeitsblatt der Projektarbeit. Erkläre kurz, in Schülersprache, die drei Kategorien, mit denen Geräusche dort eingeordnet werden können – angelehnt an Schafers Unterscheidung:

2. Regeln des Soundwalks

Diese letzte Bemerkung ist wichtig: Es geht darum, dass jede Person ihre eigenen Geräusche notiert, nicht die der Nachbarin oder des Nachbarn übernimmt.

3. Drei Orte aufsuchen

Die Klasse besucht der Reihe nach einen Spot im Schulgebäude, einen Spot vor dem Schulgebäude und einen Spot an einer Kreuzung. An jedem Ort steht eine kurze, stille Hörphase – häufig um die zwei Minuten, je nach Ort und Gruppe auch kürzer oder länger.

Wie lange der Transfer zwischen den Orten dauert und ob alle drei Orte erreichbar sind, entscheidet die Lehrkraft situativ. Bei Zeitknappheit reichen auch zwei Orte – wichtig ist die rechtzeitige Rückkehr in den Klassenraum.

4. Wahrnehmung sichern

Nach jeder Hörphase wird kurz Zeit zum Notieren gegeben. Auf dem Arbeitsblatt wird festgehalten: Was wurde gehört? Woher kam das Geräusch? Wie klang es – und zu welcher der drei Kategorien passt es?

5. Rolle der Lehrkraft während des Gangs

Die Lehrkraft begleitet den Soundwalk, ohne inhaltliche Vorgaben zu machen. Sie ermutigt vor allem dazu, dass jede Person ihre eigene Wahrnehmung notiert, statt vom Nachbarn abzuschreiben.

6. Umgang mit Störungen

Wenn Kommentieren oder Gespräche die Wahrnehmung stören, markiere das ruhig, ohne zu eskalieren:

7. Rückkehr in den Klassenraum

Etwa fünf bis zehn Minuten vor Stundenende kehrt die Klasse zurück. Die Aufzeichnungen werden mitgebracht. Es entsteht hier noch keine Klanggeschichte und keine musikalische Umsetzung – zunächst geht es nur darum, die Wahrnehmungen zu sichern und zu überprüfen, ob jede Person Geräusche notiert hat.

8. Kurzer Überblick statt ausführlicher Abschlusskreis

Da die Rückkehrzeit knapp ist, reicht ein kurzer Überblick: Wer hat an wie vielen Orten Geräusche notiert? Eine ausführlichere Auswertung – was hat überrascht, was wurde von mehreren Personen wahrgenommen – folgt in der nächsten Stunde der Projektarbeit.

Deine Rolle während der Stunde

Du musst nicht vormachen, wie ein perfektes Ergebnis aussieht. Deine wichtigste Aufgabe ist, die drei Hörphasen ruhig zu strukturieren, eigenständige Wahrnehmung einzufordern und für eine verlässliche Rückkehr in den Klassenraum zu sorgen. Bewertet wird in dieser Stunde nicht das Klangergebnis – das entsteht erst in den folgenden beiden Stunden –, sondern die Mitarbeit und die Bereitschaft, sich auf die eigene Wahrnehmung einzulassen.

Typische Stolperstellen

Der Soundwalk braucht Sicherheit, klare Wege und eine stabile Rückkehr in die Auswertung. Draußen steigen Bewegungsdrang, Ablenkung und soziale Nebenkommunikation. Setze Weg, Stopps und Beobachtungsauftrag vorab knapp und eindeutig.

Da diese Stunde keinen minutengenauen Verlauf erlaubt – die Wege und die Zahl der Orte hängen von Wetter, Klasse und Tagesform ab – behalte die Rückkehrzeit im Blick und kürze nötigenfalls auf zwei Orte. Wenn die Gruppe unruhig wird, verkleinere den Auftrag. Wenn eine Antwort von dir erwartet wird, gib die Frage zurück: „Woran würdet ihr merken, dass ihr wirklich eure eigene Wahrnehmung notiert habt?"

Abschluss und Übergang

Von gesammelten Umweltklängen zur eigenen Klanggeschichte, die in der nächsten Stunde der Projektarbeit entsteht.

Übungskarten zur Stunde

Die Karten verdichten die praktische Unterrichtsbewegung, ohne den Durchführungstext zu ersetzen.

Funktion

Projektarbeit Stunde 1: Soundwalk

Der Auftakt der bewerteten Projektarbeit: Umweltklänge werden bewusst wahrgenommen und gesichert.

Ein Ort klingt nicht für alle gleich; bewusste Wahrnehmung wird zum Material für Gestaltung.

Material

Vorbereiten

Projektarbeits-Heft, Soundwalk-Arbeitsblatt, Stifte, Schreibunterlagen, Hörjournal.

Entscheidend ist, dass Materialsuche die Stunde nicht unterbricht.

Übergang

Nächster Schritt

Von gesammelten Umweltklängen zur eigenen Klanggeschichte.

Praxis während der Durchführung

Unterrichtliche Vertiefung

Funktion der Stunde im Modul

Der Auftakt der bewerteten Projektarbeit: Umweltklänge werden bewusst wahrgenommen und gesichert.

Ein Ort klingt nicht für alle gleich; bewusste Wahrnehmung wird zum Material für Gestaltung.

Übungen und Durchführung

Stille, Hörjournal, Projektstart, Soundwalk an zwei bis drei Orten, Wahrnehmungen sichern, kurzer Überblick.

Didaktische Hinweise

Herausforderungen

Die Herausforderung liegt darin, Wahrnehmung, Ordnung und Verantwortung nicht vorschnell an die Lehrkraft zurückzuziehen.

Halte den Rahmen klar, gib Verantwortung an die Gruppe zurück und frage immer nach der Funktion: Woran merken wir, dass es trägt?

Übergang / Sicherung

Von gesammelten Umweltklängen zur eigenen Klanggeschichte.