← Zurück zur Modulübersicht

Modul 1 - Durchführung der Stunde

Von der Klanggeschichte zum Klangstück

Wie machen wir unsere Klanggeschichte hörbar?

Worum es in dieser Stunde eigentlich geht

Eine Klanggeschichte wird erst zum Klangstück, wenn Zeichen, Einsätze, Übergänge und Rollen beim Spielen wirklich tragen.

Wenn du die Stunde fachfremd übernimmst, hilft dir diese Leitfrage: Nicht „Wie erkläre ich Musik richtig?“, sondern „Welche Erfahrung sollen die Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt machen?“ Die musikalischen Begriffe sind nur Werkzeuge. Entscheidend ist, dass die Klasse erlebt, was sie hört, tut, ordnet, verbessert oder gemeinsam trägt.

Vorbereitung des Unterrichtsraums

Stelle die Stühle so, dass alle einander sehen können. Instrumente, Hörjournal und Schreibmaterial liegen bereit, werden aber erst geöffnet, wenn der Auftrag klar ist. In diesem Modul ist Ruhe kein Selbstzweck: Sie ist der Einstieg in bewusste Wahrnehmung.

Bereitlegen: LEK-Planungsbogen, Notationsskizze, Zeitstrahl 0-90 Sekunden, Instrumente, Hörjournal.

Prüfe vor Stundenbeginn, ob die Materialien wirklich erreichbar sind. Was erst während der Stunde gesucht wird, unterbricht den Lernfluss. Lege außerdem fest, wo du selbst stehst, wenn du Ruhe herstellen, einen Versuch starten oder eine Reflexion einsammeln willst.

Einstieg und Rahmung

Beginne knapp, ruhig und ohne lange Vorrede. Die Schülerinnen und Schüler müssen wissen, was sie heute tun, warum das wichtig ist und woran sie merken, dass sie auf dem richtigen Weg sind.

„Heute geht es nicht darum, möglichst schnell Musik zu machen. Wir untersuchen zuerst, was wir hören, wie wir Klang ordnen und wie daraus später eine Klanggeschichte entstehen kann. Alles, was ihr wahrnehmt, kann Material werden.“

Danach formulierst du den konkreten Auftrag der Stunde in einem Satz: „Am Ende dieser Stunde sollen wir zeigen können, dass wie machen wir unsere Klanggeschichte hörbar?“ Wenn der Satz grammatisch nicht perfekt sitzt, ist das egal; wichtig ist, dass die Klasse den Arbeitsfokus hört.

Warm-up oder Ankommensphase

Die Ankommensphase ist kein Beiwerk. Sie holt die Klasse aus dem Flur, aus Pausengeräuschen und aus Nebenkommunikation in den gemeinsamen Arbeitsmodus. Halte sie kurz, aber ernst.

Wenn ein Warm-up vorgesehen ist, erklärst du es nicht theoretisch. Du gibst zuerst den Handlungsauftrag, lässt ihn einmal ausführen und sicherst dann mit einer einzigen Frage: „Was hat euch geholfen, gemeinsam zu bleiben?“ oder „Was habt ihr gerade wahrgenommen?“

Durchführung Schritt für Schritt

1. Einstieg

Nach Hörjournal und Stilleübung schauen die Gruppen kurz auf ihren LEK-Bogen. Was haben wir bereits geklärt? Was fehlt noch? Welche Entscheidung müssen wir heute treffen?

So kannst du es sagen: „Wir gehen diesen Teil schweigend. Ihr müsst nichts sammeln, was besonders klingt. Merkt euch einfach zwei oder drei Geräusche, die euch wirklich begegnen.“

2. Zentrale Arbeitsphase

Die gesamte Stunde ist Werkstattzeit. Es gibt keine Präsentationen vor der Klasse. Keine gegenseitigen Aufführungen. Keine Bewertungsphase.

So kannst du es sagen: „Der erste Versuch muss noch nicht gelingen. Wir hören danach nur auf eine Frage: Was war schon klar, und welche eine Sache verbessern wir in der nächsten Version?“

3. Arbeitsauftrag

Die Gruppen arbeiten an Klanggeschichte, grafischer Notation, Übergängen und Einsätzen. Jede Entscheidung wird auf Spielbarkeit geprüft.

So kannst du es sagen: „Ein Zeichen ist erst dann hilfreich, wenn jemand anderes damit spielen kann. Deshalb klären wir: Was bedeutet das Zeichen, wann beginnt es und wie lange dauert es?“

4. Rolle des Dirigenten

Der Dirigent übernimmt jetzt seine vollständige Funktion: Einsätze geben, Übergänge führen und Orientierung an der Notation sichern.

So kannst du es sagen: „Ein Zeichen ist erst dann hilfreich, wenn jemand anderes damit spielen kann. Deshalb klären wir: Was bedeutet das Zeichen, wann beginnt es und wie lange dauert es?“

5. Rolle des Klangberaters

Der Klangberater achtet auf Verständlichkeit, Übergänge, Wirkung und Zusammenhalt der Klanggeschichte.

So kannst du es sagen: „Ich führe euch durch diesen Schritt. Wir halten kurz fest, was zu tun ist, probieren es aus und entscheiden danach gemeinsam, was der nächste sinnvolle Schritt ist.“

6. Die grafische Notation

Die Notation darf weiter wachsen: Sie kann ergänzt, verändert oder vereinfacht werden, wenn sie dadurch spielbarer wird.

So kannst du es sagen: „Ein Zeichen ist erst dann hilfreich, wenn jemand anderes damit spielen kann. Deshalb klären wir: Was bedeutet das Zeichen, wann beginnt es und wie lange dauert es?“

7. Was tun, wenn eine Idee nicht funktioniert?

Ideen dürfen verändert, ersetzt oder umgestaltet werden. Wichtig ist: erst kurz bei der Idee bleiben, dann begründet entscheiden.

So kannst du es sagen: „Ich führe euch durch diesen Schritt. Wir halten kurz fest, was zu tun ist, probieren es aus und entscheiden danach gemeinsam, was der nächste sinnvolle Schritt ist.“

8. Rolle der Lehrkraft

Die Lehrkraft arbeitet als Coach. Keine Lösungen. Keine Regie. Keine Bewertung.

So kannst du es sagen: „Ich führe euch durch diesen Schritt. Wir halten kurz fest, was zu tun ist, probieren es aus und entscheiden danach gemeinsam, was der nächste sinnvolle Schritt ist.“

Deine Rolle während der Stunde

Du musst nicht vormachen, wie ein musikalisch perfektes Ergebnis klingt. Deine wichtigste Aufgabe ist, Wahrnehmung zu schützen, Zeichen zu klären, Versuche hörbar zu machen und Reflexion so zu führen, dass die Klasse aus dem ersten Versuch eine bessere Fassung entwickelt.

Greife ein, wenn der Arbeitsrahmen kippt, aber nicht bei jeder Unsicherheit. Unsicherheit ist in diesen Stunden oft produktiv: Die Klasse merkt, dass eine Vereinbarung, ein Klang, ein Step oder eine Wahrnehmung noch nicht trägt. Deine Aufgabe ist dann, den nächsten machbaren Schritt zu markieren.

Typische Stolperstellen

Beim Übergang zum Stück wird Kooperation wichtiger als Ideenreichtum. Die Lehrkraft muss Gruppenprozesse lesen: Wer übernimmt zu viel, wer verschwindet, welche Idee blockiert die Probe? In ISS-Kontexten ist das soziale Arrangement oft entscheidender als die musikalische Idee. Korrekturen sollten als Arbeitsroutinen formuliert werden: eine Stelle wählen, einmal ändern, erneut spielen. So bleibt Verantwortung bei der Gruppe, ohne dass Fehler Personen zugeschrieben werden.

Wenn die Gruppe unruhig wird, verkleinere den Auftrag. Wenn sie zu schnell spielt oder spricht, verlangsame. Wenn sie eine Antwort von dir erwartet, gib die Frage zurück: „Woran würdet ihr merken, dass es funktioniert?“

Abschluss und Übergang

Von der Werkstattfassung zur Präsentation und Reflexion.

Schließe die Stunde nicht nur organisatorisch, sondern inhaltlich. Eine mögliche Formulierung ist: „Heute haben wir nicht einfach etwas gemacht, sondern einen Schritt gelernt. Der Schritt war: Wir haben aus einem ersten Versuch eine bewusstere Entscheidung gemacht.“ Danach kündigst du an, wozu dieser Schritt in der nächsten Stunde gebraucht wird.

Übungskarten zur Stunde

Diese Karten helfen während der Durchführung: Aktivität, Übungslogik und konkrete Unterrichtshandlung.

Dirigent

Die Rolle wird praktisch: Einsätze, Übergänge und Orientierung an der Partitur.

Steuert Proben, Übergänge und Einsätze.

Klangberater

Die Rolle prüft Wirkung und Verständlichkeit, ohne der Gruppe die Idee abzunehmen.

Achtet auf Verständlichkeit, Übergänge, Entwicklung und Wirkung.

Erfolgskriterien

Die Klanggeschichte muss lesbar, spielbar und begründet überarbeitet sein.

Spielbare Fassung, Rollen funktionieren, Änderungen dokumentiert.

Praxis während der Durchführung

Diese Hinweise gehören nicht in den schnellen Überblick. Sie sind hier richtig, weil sie beim tatsächlichen Unterrichten helfen: Was bedeutet die Stunde im Modul, welche Reaktionen sind erwartbar, wo kann es haken und wie bleibst du handlungsfähig?

Unterrichtliche Vertiefung

Funktion der Stunde im Modul

Warum diese Stunde an dieser Stelle der Reihe steht.

  • UE6 war die Planungsphase: Geschichte, Rollen, Soundwalk-Bezug und zentrale Klänge wurden festgelegt.
  • UE7 macht daraus ein spielbares Klangstück: Die Partitur wird an Übergängen, Einsätzen und Rollen praktisch geprüft.
  • Die Gruppe prüft jede Entscheidung daran, ob sie beim Spielen wirklich Orientierung gibt.
Übungen und Durchführung

Die zentralen Handlungsschritte aus der Stundenfassung, komprimiert für die Vorbereitung.

  1. EinstiegNach Hörjournal und Stilleübung schauen die Gruppen kurz auf ihren LEK-Bogen. Was haben wir bereits geklärt? Was fehlt noch? Welche Entscheidung müssen wir heute treffen?
  2. Zentrale ArbeitsphaseDie gesamte Stunde ist Werkstattzeit. Es gibt keine Präsentationen vor der Klasse. Keine gegenseitigen Aufführungen. Keine Bewertungsphase.
  3. ArbeitsauftragDie Gruppen arbeiten an Klanggeschichte, grafischer Notation, Übergängen und Einsätzen. Jede Entscheidung wird auf Spielbarkeit geprüft.
  4. Rolle des DirigentenDer Dirigent übernimmt jetzt seine vollständige Funktion: Einsätze geben, Übergänge führen und Orientierung an der Notation sichern.
  5. Rolle des KlangberatersDer Klangberater achtet auf Verständlichkeit, Übergänge, Wirkung und Zusammenhalt der Klanggeschichte.
  6. Die grafische NotationDie Notation darf weiter wachsen: Sie kann ergänzt, verändert oder vereinfacht werden, wenn sie dadurch spielbarer wird.
  7. Was tun, wenn eine Idee nicht funktioniert?Ideen dürfen verändert, ersetzt oder umgestaltet werden. Wichtig ist: erst kurz bei der Idee bleiben, dann begründet entscheiden.
  8. Rolle der LehrkraftDie Lehrkraft arbeitet als Coach. Keine Lösungen. Keine Regie. Keine Bewertung.

Didaktische Hinweise

Erwartbare Schülerreaktionen

Typische Äußerungen, Irritationen und produktive Lernmomente auf einen Blick.

Konflikte über Entscheidungen, wachsender Probenfokus, Bedürfnis nach klaren Übergängen. Rollen wie Dirigent und Klangberater werden anfangs oft spielerisch oder ungenau genutzt.

Handlungsempfehlungen nach Neuer Autorität

  • Präsenz zeigen: ruhig in der Nähe bleiben, Blickkontakt anbieten und den Arbeitsrahmen klar wiederholen.
  • Beziehung vor Eskalation: Irritationen oder Widerstand nicht öffentlich ausfechten, sondern ankündigen: „Ich komme gleich zu dir und wir klären den nächsten Schritt.“
  • Transparenz und Wiedergutmachung: Beiträge, die den Lernweg stören, in eine konkrete Verantwortung überführen: beobachten, sichern, Material ordnen oder einen nächsten Versuch mit vorbereiten.
Herausforderungen

Beim Übergang zum Stück wird Kooperation wichtiger als Ideenreichtum.

Die Lehrkraft muss Gruppenprozesse lesen: Wer übernimmt zu viel, wer verschwindet, welche Idee blockiert die Probe? In ISS-Kontexten ist das soziale Arrangement oft entscheidender als die musikalische Idee.

Korrekturen sollten als Arbeitsroutinen formuliert werden: eine Stelle wählen, einmal ändern, erneut spielen. So bleibt Verantwortung bei der Gruppe, ohne dass Fehler Personen zugeschrieben werden.

Empfehlung

Zwischenreflexion streng nutzen: Was ist schon hörbar, was braucht Überarbeitung? Jede Änderung kurz dokumentieren, damit die Aufführung nicht vom Zufall abhängt.

Übergang / Sicherung

Sicherungssatz: Die Partitur muss so lesbar sein, dass die Gruppe sie beim Spielen wirklich nutzen kann; was nicht trägt, wird vereinfacht oder präzisiert. Übergang zu UE8: Die spielbare Fassung wird präsentiert, reflektiert und gesichert.