Worum es in dieser Stunde eigentlich geht
In der vorherigen Stunde ist aus dem gemeinsamen Soundwalk eine grafische Notation entstanden. Diese Stunde macht sie zum Klang – und zwar dirigiert nicht die Lehrkraft, sondern die Schülerinnen und Schüler selbst. Das unterscheidet diese Stunde bewusst von UE 3: Dort hat die Lehrkraft aus Zeitgründen das Dirigat übernommen. Hier liegt die Führung in den Händen der Klasse.
Die Zuordnung von Symbol zu Instrument bleibt dabei verbindlich die aus UE 3 – sie wird heute reaktiviert, nicht neu verhandelt.
Vorbereitung des Unterrichtsraums
Die in der vorherigen Stunde entwickelte Partitur liegt vervielfältigt oder sichtbar bereit. Notenständer in ausreichender Zahl – wie in UE 3 wird nicht im Kreis musiziert, sondern im Stehen mit Partitur vor Augen. Die Stühle müssen dafür zur Seite geräumt werden, sobald die Vorbereitungsphase im Kreis abgeschlossen ist.
Einstieg und Rahmung
Ankommensphase: Stille, Hörjournal, Brückenminute
Die Stunde beginnt wie gewohnt mit der Stille und dem Hörjournal-Eintrag. Danach folgt wieder die bekannte Brückenminute, da die Klasse jetzt direkt in aktives musikalisches Handeln übergeht:
Durchführung Schritt für Schritt
1. Zuordnung reaktivieren
Vor dem Aufstellen wird noch einmal gemeinsam geklärt, welches Instrument welches Geräusch darstellt – auf Basis der in UE 3 getroffenen Verabredung.
Lade die Schülerinnen und Schüler ein, sich das jeweilige Geräusch noch einmal bewusst vorzustellen und ihre Spielweise daran auszurichten – nicht nur das Symbol zu bedienen, sondern den erinnerten Klang zu interpretieren.
2. Aufstellung nach Instrumentengruppen
Die Stühle werden zur Seite geräumt. Die Schülerinnen und Schüler nehmen sich ein Instrument und stellen sich, wie in UE 3, nach Instrumentengruppen gestaffelt im Raum auf. Notenständer mit der Partitur stehen bereit.
3. Die Klanggeschichte vergegenwärtigen
Bevor der erste Durchgang beginnt, wird die erinnerte Szene des Soundwalks noch einmal aktiv ins Gedächtnis gerufen – sowohl bei der dirigierenden Person als auch bei allen Musizierenden. Hier hilft eine einfache theaterpädagogische Technik, die der Klasse aus dem Kreisritual bereits vertraut sein kann: das Standbild. Bitte alle kurz, sich an eine Stelle des Gangs zu erinnern und für einen Moment in der Haltung zu verharren, die sie dort eingenommen hätten – ein kurzes, stilles Innehalten in der erinnerten Szene, bevor der Klang beginnt.
Diese kurze Vergegenwärtigung gilt besonders für die dirigierende Person, die die Geschichte führt:
4. Erster Dirigatdurchgang
Eine erste Schülerin oder ein erster Schüler übernimmt das Dirigat. Zielwert: etwa 60 Sekunden. Das ist für ein erstes eigenes Dirigat ein langer Zeitraum – das darf so benannt werden und wird ausdrücklich Teil der nachfolgenden Reflexion, nicht ein Kriterium des Gelingens.
5. Reflexion nach Durchgang 1
6. Zweiter Dirigatdurchgang
Eine andere Person übernimmt das Dirigat. Die Vergegenwärtigung des Wegs wird erneut kurz angeleitet, bevor begonnen wird.
7. Reflexion nach Durchgang 2
Kurz, konkret: Was ist diesmal besser gelungen?
8. Dritter Dirigatdurchgang
Wenn die Zeit es erlaubt, ein dritter Durchgang mit einer weiteren dirigierenden Person.
9. Abschließende Blitzlichtrunde
Ein Satz pro Person: Was hat sich für dich verändert, vom ersten zum letzten Durchgang?
Deine Rolle während der Stunde
In dieser Stunde dirigierst du nicht selbst – du begleitest die Schülerinnen und Schüler dabei, das Dirigat zu übernehmen. Deine Aufgabe ist, die Vergegenwärtigung der Klanggeschichte vor jedem Durchgang zu sichern, die Reflexion zwischen den Durchgängen knapp und konkret zu halten und einzugreifen, wenn der Rahmen kippt – nicht, wenn ein Durchgang einfach noch nicht trägt. Drei Durchgänge mit wachsender Sicherheit sind das Ziel, nicht ein perfekter erster Versuch.
Typische Stolperstellen
60 Sekunden Dirigat sind für eine erste eigene Führungsrolle lang – Unsicherheit oder ein Abbruch mitten im Durchgang sind in der ersten Runde wahrscheinlich und kein Anlass zum Eingreifen. Lass den Durchgang zu Ende laufen, auch wenn er instabil wird; die Reflexion danach trägt die Verbesserung, nicht eine Unterbrechung mitten im Spiel.
Abschluss und Übergang
Von der selbst dirigierten Klanggeschichte zur größeren Frage, wie wir aus gehörten Orten ein vollständiges Klangstück gestalten.