Worum es in dieser Stunde eigentlich geht
Die Klasse hat über mehrere Wochen selbst entdeckt, erfunden und entschieden – ohne zu wissen, dass sie damit in einer Tradition steht, die im 20. Jahrhundert von realen Personen wie Murray Schafer und John Cage geprägt wurde. Diese Stunde macht diese Verbindung sichtbar: nicht als nachträgliche Belehrung, sondern als Bestätigung, dass die eigene Erfindung der Klasse echtes musikalisches Denken war.
Wichtig: Die Klasse hat bisher bewusst keine Aufnahmen oder Videos von Cage- oder Cardew-Aufführungen gesehen. Das bleibt auch in dieser letzten Stunde so. Es geht nicht darum, der Klasse zu zeigen, „wie es eigentlich gemacht wird" – das würde die eigene Erfindung nachträglich entwerten. Es geht darum, der Klasse zu zeigen, dass ihre eigene Erfindung in guter Gesellschaft steht.
Vorbereitung des Unterrichtsraums
Stelle die Stühle so, dass alle einander sehen können. Bereitlegen: je nach Fall (siehe unten) entweder die PowerPoint-Präsentation der präsentierenden Schülerin/des präsentierenden Schülers, oder deine eigene kurze Präsentation zu Schafer und Cage. Halte außerdem das Material der Klasse bereit, auf das du dich beziehen willst – etwa eine Notationsskizze aus UE 7/8 oder das Soundwalk-Arbeitsblatt aus UE 6.
Einstieg und Rahmung
Beginne knapp, ruhig und ohne lange Vorrede.
Formuliere danach den konkreten Auftrag der Stunde:
Rückblick auf das Hörjournal: Hat sich euer Hören verändert?
Bevor die historische Einordnung beginnt, lohnt sich ein kurzer, eigener Moment: ein Rückblick auf das Hörjournal, das die Klasse über weite Teile dieser Reihe begleitet hat. Hier geht es nicht um Schafer oder Cage, sondern um die eigene Hörentwicklung jeder einzelnen Person.
Gib der Klasse einige Minuten Zeit, in ihrem Hörjournal zurückzublättern, und stelle anschließend gezielte Fragen. Diese Fragen können einzeln schriftlich beantwortet oder im Gespräch besprochen werden:
Du musst nicht alle Fragen stellen. Wähle zwei oder drei aus, die zu deiner Klasse passen, und gib der Reihe damit einen persönlichen Abschluss, bevor der Blick nach außen – zu Schafer und Cage – geht.
Fallunterscheidung: Wer hält diese Stunde?
Diese Stunde hat zwei mögliche Verläufe, je nachdem, ob sich für die Präsentationsprüfung (siehe Alternativformat) jemand gemeldet hat.
Wenn sich jemand für die Präsentationsprüfung entschieden hat oder ausgewählt wurde, hält diese Person ihre rund zehnminütige Präsentation zu der gewählten Fragestellung (Schafer oder Cage) vor der Klasse.
2. Präsentation
Die Schülerin oder der Schüler hält den Vortrag mit PowerPoint-Unterstützung. Die Klasse hört zu.
3. Kurze Fragerunde
Im Anschluss dürfen Mitschülerinnen und Mitschüler Fragen stellen – sowohl zur historischen Position als auch zum Bezug zur eigenen Klassenarbeit.
4. Ergänzung durch die Lehrkraft
Du ergänzt nach der Präsentation kurz die zweite, nicht behandelte Position (also die, die die präsentierende Person nicht gewählt hat), damit die ganze Klasse beide Bezüge kennt – siehe dazu die Kurzdarstellungen in Fall B, Schritt 2 und 3, die du hier entsprechend nutzen kannst.
Wenn sich niemand für die Präsentationsprüfung gemeldet hat oder ausgewählt wurde, übernimmst du diese Stunde vollständig. In diesem Fall stellst du beide Positionen vor, da du für die gesamte Klasse sprichst.
1. Murray Schafer und der Soundwalk vorstellen
Stelle Schafer und sein Soundscape-Konzept knapp vor – die Unterscheidung zwischen Klängen, die immer da sind, Klängen, die plötzlich auffallen, und Klängen, die typisch für einen Ort sind. Diese Begriffe kennt die Klasse bereits aus UE 6 in vereinfachter Form.
2. Bezug zur eigenen Klassenarbeit herstellen
Greife konkret auf das Material der Klasse zurück – etwa ein Soundwalk-Arbeitsblatt aus UE 6.
3. John Cage und die grafische Notation vorstellen
Stelle Cage knapp vor – seinen erweiterten Musikbegriff, die Idee, dass Geräusche, Stille und Zufall Teil von Musik sein können, und dass Notation nicht alles festlegen muss.
4. Bezug zur eigenen Klassenarbeit herstellen
Greife auf eine Notationsskizze der Klasse zurück.
Deine Rolle während der Stunde
In beiden Fällen gilt: Diese Stunde soll keine nachträgliche Belehrung sein, sondern eine Bestätigung. Die Klasse soll nicht das Gefühl bekommen, dass sie etwas „eigentlich falsch" oder „nur eine vereinfachte Version" gemacht hat. Im Gegenteil: Sie hat aus eigener Kraft etwas entdeckt, das in der Musikgeschichte einen eigenen Namen hat.
Zeige weiterhin keine Aufnahmen oder Videos von Cage- oder Cardew-Aufführungen – auch nicht in dieser letzten Stunde. Es geht um die Idee und die Verbindung, nicht um ein Vorbild zum Nachahmen.
Typische Stolperstellen
Die größte Gefahr in Fall B ist, dass die Stunde zu einem reinen Frontalvortrag wird. Halte die Bezüge so konkret wie möglich am eigenen Material der Klasse fest – nicht abstrakt über Schafer und Cage sprechen, sondern immer sofort zurück zur eigenen Arbeit der Klasse.
In Fall A besteht die Gefahr, dass die zweite, nicht präsentierte Position zu kurz kommt. Plane bewusst Zeit für deine eigene Ergänzung ein.
Abschluss und Übergang
Mit dieser Stunde endet Modul 1 vollständig.