Grafische Notation lesen
Eine fremde grafische Spur wird gelesen, mit einer Legende entlastet und in Klang geprüft.
Eine grafische Notation wird erst spielbar, wenn Zeichen, Instrumente und Klanghandlungen verabredet, erprobt und verbessert werden.
Modul 1 - Durchführung der Stunde
Wie können wir eine grafische Notation lesen, verabreden und gemeinsam hörbar machen?
Eine grafische Notation ist noch keine Musik. Sie wird erst spielbar, wenn Zeichen, Instrumente und Klanghandlungen gemeinsam verabredet, erprobt und verbessert werden.
Wenn du die Stunde fachfremd übernimmst, hilft dir diese Leitfrage: nicht „Wie erkläre ich Musik richtig?", sondern „Welche Erfahrung sollen die Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt machen?" Die musikalischen Begriffe sind nur Werkzeuge. Entscheidend ist, dass die Klasse erlebt, was sie sieht, deutet, verabredet, spielt und verbessert.
Stelle die Stühle so, dass alle einander sehen können. Instrumente, Hörjournal und Schreibmaterial liegen bereit, werden aber erst geöffnet, wenn der Auftrag klar ist. In diesem Modul ist Ruhe kein Selbstzweck: Sie ist der Einstieg in bewusste Wahrnehmung.
Bereitlegen: vorbereitete Notationsgrafik (1 pro Schüler:in, mit leerer Legendentabelle), Instrumente/Kleinpercussion in Gruppen sortierbar, Tafel oder Smartboard für die gemeinsame Legende, Hörjournal, Notenständer in ausreichender Zahl.
Prüfe vor Stundenbeginn, ob die Materialien wirklich erreichbar sind. Was erst während der Stunde gesucht wird, unterbricht den Lernfluss. Die Notenständer sind in dieser Stunde kein Nebendetail – ohne sie können die Schülerinnen und Schüler ihre Partitur nicht vor Augen haben, während sie spielen. Lege außerdem fest, wo du selbst stehst, wenn du Ruhe herstellen, die Legende sammeln oder später dirigieren willst.
Beginne knapp, ruhig und ohne lange Vorrede. Die Schülerinnen und Schüler müssen wissen, was sie heute tun, warum das wichtig ist und woran sie merken, dass sie auf dem richtigen Weg sind.
Nimm zuerst Rückbezug auf die vorherige Stunde:
Dann der Übergang zur heutigen Frage:
Formuliere danach den konkreten Auftrag der Stunde in einem Satz:
Zeige die Notationsgrafik kurz und kündige an, dass es sich nicht um Noten handelt:
Die Ankommensphase ist kein Beiwerk. Sie holt die Klasse aus dem Flur, aus Pausengeräuschen und aus Nebenkommunikation in den gemeinsamen Arbeitsmodus. Sie ist außerdem die Verbindungslinie der gesamten Reihe: Erst wahrnehmen, dann deuten, dann spielen.
Wie in den vorherigen Stunden bleibt die Blickrichtung frei – Boden, Hände oder geradeaus. Die Instrumente werden während der Stille nicht angefasst; sie liegen bereit, bleiben aber geschlossen.
Anders als in UE 1 schreiben die Schülerinnen und Schüler hier nicht während der Stille, sondern danach, aus der Erinnerung:
Dieser Vergleichsblick über mehrere Wochen ist neu gegenüber UE 1 und UE 2 – die Klasse beginnt, die eigene Hörentwicklung selbst zu beobachten.
Vor dem Wechsel zur aktiven Arbeit:
Diese kurze, klar abgegrenzte Phase schützt den Übergang vom rezeptiven in den aktiven Modus. Sie darf nicht länger werden, sonst wird sie selbst zu einer neuen Übung.
Nach der kurzen Hinführung wird die Notationsgrafik ausgeteilt. Die Klasse schaut sie an, ohne sofort zu spielen. Welche Symbole fallen auf?
Jedes genannte Symbol schreibst du an die Tafel – ungewertet, einfach gesammelt.
Jetzt wird verabredet, wofür welches Symbol steht. Die Schülerinnen und Schüler tragen ihre Vorschläge in die leere Legendentabelle auf ihrem Blatt ein (Spalte Symbol, Spalte Instrument). Die Verabredung gilt für die ganze Klasse – Kreis bedeutet zum Beispiel Trommel, Dreieck bedeutet Shaker, oder was auch immer die Klasse vorschlägt.
Eine abstrakte Notation lässt sich aufrecht, seitwärts oder auch rückwärts lesen. Auch das ist eine Verabredung, keine Vorgabe. Kläre es per Abstimmung mit Mehrheitsentscheid:
Mit geklärter Legende und Leserichtung untersucht die Klasse die Partitur genauer: Wo gibt es eindeutige Einsätze? Wo ist etwas unklar? Wo verdichtet sich das Bild – wo ist vermutlich Pause?
Hier wird auch besprochen, dass dieselben Instrumente unterschiedlich gespielt werden können – die Klasse kennt das bereits von Trommeln, Shakern und Guirros. Welche Spielweise an welcher Stelle sinnvoll ist, wird kurz angesprochen, aber noch nicht endgültig festgelegt.
Die Stühle werden zur Seite geräumt. Die Schülerinnen und Schüler nehmen sich ein Instrument und stellen sich nach Instrumentengruppen geordnet im Raum auf.
Jetzt werden die letzten gemeinsamen Entscheidungen getroffen: Wer setzt wann ein? Was gilt als laut, was als leise? Und: Wie lange soll das Stück dauern? In der Praxis hat sich eine Stückdauer von rund 60 Sekunden bewährt.
Ab hier übernimmst du das Dirigat. Das hat in dieser Stunde vor allem zeitliche Gründe: An diesem Punkt muss sich die Lehrkraft aktiver einschalten, um die Umsetzung in der verbleibenden Zeit zu strukturieren. Die Schülerinnen und Schüler kennen die Dirigatzeichen bereits aus der vorherigen Stunde – sie folgen jetzt zugleich deinem Dirigat und ihrer eigenen Partitur auf dem Notenständer.
Du leitest einen vollständigen Durchgang. Entscheidend ist nicht Perfektion, sondern ob die verabredeten Zeichen überhaupt zu hörbaren Entscheidungen führen.
Was war verständlich? Was blieb unklar? Wer hat Einsätze verpasst – und woran lag das?
Auf Basis der Reflexion wird ein zweiter Durchgang mit dem Dirigat gespielt, in dem die Verbesserungsideen umgesetzt werden. Je nach Zeit ist eine weitere Dirigatrunde mit vorhergehender kurzer Reflexion möglich.
Du musst nicht vormachen, wie ein musikalisch perfektes Ergebnis klingt. Deine wichtigste Aufgabe ist, die Verabredung zu schützen, die Legende zu klären, Versuche hörbar zu machen – und ab dem Moment der Aufstellung im Raum die Struktur zu übernehmen, weil die Klasse hier verlässliche Führung braucht.
Greife ein, wenn der Arbeitsrahmen kippt, aber nicht bei jeder Unsicherheit. Unsicherheit ist in diesen Stunden oft produktiv: Die Klasse merkt, dass eine Verabredung noch nicht trägt. Deine Aufgabe ist dann, den nächsten machbaren Schritt zu markieren.
Die Lehrkraft muss die Balance halten: offen genug für Deutung, präzise genug für gemeinsames Spiel. Die größte Herausforderung ist, nicht zu früh eine Lehrerlösung vorzugeben. Die Klasse soll erfahren, dass grafische Notation Bedeutung durch Verabredung erhält. Gleichzeitig darf die Stunde nicht in beliebigem Assoziieren stecken bleiben. Jede Deutung muss am Klang überprüft werden: Kann jemand aus dieser Zuordnung wirklich spielen?
Zeitlich ist die Stunde eng – das ist auch der Grund, warum die Lehrkraft ab der Aufstellung im Raum das Dirigat übernimmt, statt diese Übergabe ebenfalls noch zu verabreden. Wenn die Gruppe unruhig wird, verkleinere den Auftrag. Wenn sie zu schnell spielt oder spricht, verlangsame. Wenn sie eine Antwort von dir erwartet, gib die Frage zurück: „Woran würdet ihr merken, dass es funktioniert?"
Von der gedeuteten Notationsgrafik zum eigenen Aufschreiben gehörter Klänge.
Schließe die Stunde nicht nur organisatorisch, sondern inhaltlich:
Lege die Instrumente gemeinsam ab. Mache eine kurze Reflexionsrunde als Blitzlicht: ein Satz pro Person, was heute gelernt wurde. Kündige danach an, wozu dieser Schritt in der nächsten Stunde gebraucht wird.
Die Karten verdichten die praktische Unterrichtsbewegung, ohne den Durchführungstext zu ersetzen.
Eine fremde grafische Spur wird gelesen, mit einer Legende entlastet und in Klang geprüft.
Eine grafische Notation wird erst spielbar, wenn Zeichen, Instrumente und Klanghandlungen verabredet, erprobt und verbessert werden.
Notationsgrafik mit leerer Legendentabelle, Kleinpercussion, Tafel/Smartboard, Hörjournal, Notenständer.
Entscheidend ist, dass Materialsuche die Stunde nicht unterbricht.
Von der gedeuteten Notationsgrafik zum eigenen Aufschreiben gehörter Klänge.
Eine fremde grafische Spur wird gelesen, mit einer Legende entlastet und in Klang geprüft.
Eine grafische Notation wird erst spielbar, wenn Zeichen, Instrumente und Klanghandlungen verabredet, erprobt und verbessert werden.
Stille, Hörjournal, Grafik betrachten, Legende festlegen, erste Fassung spielen, reflektieren, verbessern.
Die Herausforderung liegt darin, Wahrnehmung, Ordnung und Verantwortung nicht vorschnell an die Lehrkraft zurückzuziehen.
Halte den Rahmen klar, gib Verantwortung an die Gruppe zurück und frage immer nach der Funktion: Woran merken wir, dass es trägt?
Von der gedeuteten Notationsgrafik zum eigenen Aufschreiben gehörter Klänge.