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Modul 1 - Durchführung der Stunde

Klang organisieren

Wie können wir gemeinsam Klang organisieren?

Kernauftrag

Die Schülerinnen und Schüler haben mindestens ein körperliches Dirigatzeichen ohne vorherige Erklärung richtig gedeutet und benannt, was es bedeutet.

Worum es in dieser Stunde eigentlich geht

Klang kann organisiert werden. Gemeinsames Musizieren braucht Zeichen, Aufmerksamkeit und geteilte Verantwortung.

Wenn du die Stunde fachfremd übernimmst, hilft dir diese Leitfrage: Nicht „Wie erkläre ich Musik richtig?“, sondern „Welche Erfahrung sollen die Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt machen?“ Die musikalischen Begriffe sind nur Werkzeuge. Entscheidend ist, dass die Klasse erlebt, was sie hört, tut, ordnet, verbessert oder gemeinsam trägt.

Vorbereitung des Unterrichtsraums

Stelle die Stühle im Kreis auf, genau wie in UE1. Die Kleinpercussion liegt wieder sichtbar in der Mitte des Kreises. Die Schülerinnen und Schüler bringen ihr Hörjournal aus UE1 selbst mit; du musst es nicht erneut ausgeben.

Bereitlegen: Kleinpercussion und Alltagsgegenstände wie in UE1, Stuhlkreis, einige leere Hörjournal-Blätter für Neuzugänge.

Prüfe vor Stundenbeginn, ob die Materialien wirklich erreichbar sind. Was erst während der Stunde gesucht wird, unterbricht den Lernfluss. Lege außerdem fest, wo du selbst stehst, wenn du Ruhe herstellen, einen Versuch starten oder eine Reflexion einsammeln willst.

Einstieg und Rahmung

Beginne knapp, ruhig und ohne lange Vorrede. Die Schülerinnen und Schüler müssen wissen, was sie heute tun, warum das wichtig ist und woran sie merken, dass sie auf dem richtigen Weg sind.

„Heute geht es nicht darum, möglichst schnell Musik zu machen. Wir untersuchen zuerst, was wir hören, wie wir Klang ordnen und wie daraus später eine Klanggeschichte entstehen kann. Alles, was ihr wahrnehmt, kann Material werden.“

Dann setzt du den Arbeitsfokus der Stunde:

„Am Ende dieser Stunde können wir zeigen, wie wir gemeinsam Klang organisieren können.“

Durchführung Schritt für Schritt

1. Stilleübung - zwei Minuten wie UE1

Die Schülerinnen und Schüler sitzen im Kreis. Genau wie in UE1 kündigst du zwei Minuten vollständige Stille an. Die Klasse weiß bereits, worauf es ankommt; das macht diesen Einstieg schneller, aber nicht weniger ernst.

„Wir machen das wie letztes Mal: zwei Minuten still. Hört, was ihr hört.“

Wiederhole den Satz zur Blickrichtung kurz, auch wenn die meisten ihn schon kennen:

„Ihr könnt wie letztes Mal auf den Boden schauen, auf eure Hände - oder geradeaus. Was immer euch hilft, gut zu hören.“

Wer in UE1 nicht dabei war, hört hier zum ersten Mal, dass die Blickrichtung frei ist und ernst genommen wird. Auch hier gilt: Bei Störung neu beginnen, bis zu zweimal. Beim dritten Mal gehört die Störung selbst zum Wahrnehmungsmaterial.

2. Hörjournal - zweiter Eintrag

Erst nach Abschluss der Stilleübung nehmen die Schülerinnen und Schüler ihr Hörjournal aus dem Hefter, nicht vorher. Du musst nichts austeilen; sie haben es bereits aus UE1.

„Nehmt jetzt euer Hörjournal heraus. Zweiter Eintrag: Was habt ihr heute wahrgenommen? Was hat euch überrascht?“

Nach dem Eintrag wird das Hörjournal wieder im Hefter verstaut, bevor die nächste Übung beginnt. Falls jemand noch kein Hörjournal hat, hältst du ein leeres Exemplar bereit und teilst es kurz und unauffällig aus.

3. Rückblick auf UE1

Du rekapitulierst kurz, was in der letzten Stunde passiert ist: mit den Schülerinnen und Schülern, nicht nur für sie.

„Letztes Mal habt ihr drei verschiedene Arten gefunden, auf eurem Instrument Klang zu erzeugen. Wir haben das dann reihum durch den Kreis gegeben - und am Ende haben alle gleichzeitig gespielt. Es entstand eine große, dichte Klangfläche, fast ein Klangteppich, bis ich die Übung beendet habe.“
„Heute gehen wir einen Schritt weiter. Wir wollen sehen, ob wir diesen Klang auch formen und verändern können - damit spielen, damit experimentieren. Dazu helfen uns Zeichen.“

3a. Brückenminute - Übergang zur Instrumentenarbeit

Wie in UE1 schiebst du vor dem Griff zum Instrument einen kurzen, klar abgegrenzten Moment ein: kein neues Ritual, sondern eine bewusste Ausrichtung.

„Ihr wisst schon, was als Nächstes kommt. Nehmt euch einen kurzen Moment, bevor ihr das Instrument anfasst.“

Kürzer als in UE1, weil die Erfahrung bereits da ist. Ein Satz, ein kurzer Moment, dann weiter - nicht länger als 15 bis 20 Sekunden.

4. Instrumente bereitlegen - noch kein Spiel

Die Schülerinnen und Schüler nehmen ein Percussioninstrument, machen aber noch keinen Klang damit.

„Nehmt euch jetzt ein Instrument - aber noch kein Geräusch damit machen.“

5. Stummes Dirigat - Zeichen ohne Erklärung entdecken lassen

Du stellst dich in die Mitte des Kreises. Bevor du irgendein Zeichen erklärst, testest du, ob die Klasse die Zeichen aus sich selbst heraus verstehen kann. Während dieser gesamten Übung sprichst du kein einziges Wort. Die Zeichen müssen für sich wirken.

  • Beide Zeigefinger erhoben: Konzentration, Ruhe, gleich geht es los. Du wartest, bis wirklich Stille eingekehrt ist. Wenn einzelne Schüler das Zeichen noch nicht verstehen, hilft ein konzentrierter Blick - kein Wort.
  • Auf eine Person zeigen, Handfläche nach oben, Arm heben: Diese Person soll einsetzen und lauter werden. Die Bewegung wird so lange fortgesetzt, bis die gewünschte Lautstärke erreicht ist.
  • Handfläche nach unten, Arm senken: Die Person, auf die vorher gezeigt wurde, wird leiser.
  • Auf eine Person zeigen, Wegwischbewegung mit einer Hand: Diese Person pausiert.
  • Beide Hände über dem Kopf, Wegwischbewegung: Alle stoppen.

Grundregel der Zeichensprache: Wer einzeln angesprochen wird, wird vorher durch Zeigen markiert. Das folgende Zeichen gilt dann nur für diese Person. Wer die ganze Gruppe ansprechen will, zeigt direkt mit beiden Händen oder dreht sich im Kreis, ohne vorher eine einzelne Person zu markieren.

Du beendest die Übung, indem du mit beiden Armen abwinkst. Dann setzt du dich.

6. Reflexion I - Was war anders?

Erste Frage an die Klasse:

„Was war an dieser Improvisationsübung anders als in unserer ersten Stunde?“

Erwartbar ist: Du hast uns Zeichen gegeben, wann wir spielen sollen. Daran knüpfst du an:

„Welche Zeichen habt ihr gesehen? Welche Bedeutung haben sie?“

Die genannten Zeichen werden gemeinsam gesammelt. Danach fragst du:

„Was ist durch dieses Zeichengeben möglich geworden, was vorher nicht möglich war?“

Auch diese Antworten werden eingesammelt: mündlich, ohne Bewertung.

7. Schülerdirigat I

Ein Schüler oder eine Schülerin übernimmt jetzt die Rolle des Dirigenten. Du selbst spielst als Musiker mit. Die Person übt, experimentiert, nutzt die Zeichen frei.

Nach dem Durchlauf folgt eine Reflexionsrunde: „Wie habt ihr das Dirigat empfunden? Habt ihr die Zeichen verstanden? Habt ihr das Gefühl gehabt, dass alle den Zeichen gefolgt sind?“

Frage an den Dirigenten oder die Dirigentin direkt: „Hattest du das Gefühl, dich gut verständlich zu machen? Hast du das Gefühl gehabt, dass die Musiker auf deine Zeichen reagiert haben?“ Gemeinsam wird gesammelt: Was hat gut geklappt? Was war noch schwierig?

8. Schülerdirigat II - mit Verbesserungen

Eine zweite Runde mit einem neuen Dirigenten oder einer neuen Dirigentin. Die in Runde I gesammelten Verbesserungen werden bewusst einbezogen. Danach erneut eine Reflexionsrunde nach demselben Muster.

9. Schülerdirigat III

Wenn die Zeit es zulässt, folgt eine dritte Runde mit einem weiteren Schüler oder einer weiteren Schülerin als Dirigent, wieder mit anschließender Reflexion.

Drei Runden sind kein Pflichtprogramm. Lieber zwei Runden mit echter Reflexion als drei Runden ohne Tiefe.

Deine Rolle während der Stunde

Du musst nicht vormachen, wie ein musikalisch perfektes Ergebnis klingt. Deine wichtigste Aufgabe ist, Wahrnehmung zu schützen, Zeichen zu klären, Versuche hörbar zu machen und Reflexion so zu führen, dass die Klasse aus dem ersten Versuch eine bessere Fassung entwickelt.

Greife ein, wenn der Arbeitsrahmen kippt, aber nicht bei jeder Unsicherheit. Unsicherheit ist produktiv: Die Klasse merkt, dass eine Vereinbarung, ein Klang oder eine Wahrnehmung noch nicht trägt. Deine Aufgabe ist dann, den nächsten machbaren Schritt zu markieren.

Wenn die Gruppe unruhig wird: Verkleinere den Auftrag. Wenn sie zu schnell spielt oder spricht: Verlangsame. Wenn sie eine Antwort von dir erwartet, gib die Frage zurück: „Woran würdet ihr merken, dass es funktioniert?“

Typische Stolperstellen

Dirigieren erzeugt Verantwortung: Genau dort können Dominanz, Albernheit oder Rückzug entstehen. Die Lehrkraft muss die Zeichen so eng führen, dass sie lesbar bleiben, ohne die Verantwortung der Schülerinnen und Schüler wieder an sich zu ziehen.

Stummes Dirigat - Versuchung zu sprechen: Die größte Herausforderung für die Lehrkraft ist, während der ersten Übung wirklich kein Wort zu sprechen. Sobald gesprochen wird, verliert die Übung ihre eigentliche Lernfrage: Können Zeichen ohne Sprache verstanden werden? Ein konzentrierter Blick ersetzt jede verbale Anweisung.

Hilfreich sind kurze Dirigate, klare Beobachtungsaufträge und Rollenwechsel nach Plan. Wer stört, wird nicht beschämt, sondern erhält eine funktionale Aufgabe: beobachten, Zeichen spiegeln oder den nächsten Einsatz sichern.

Abschluss und Übergang

Schließe die Stunde nicht nur organisatorisch, sondern inhaltlich. Dann kündige an, wozu dieser Schritt in der nächsten Stunde gebraucht wird:

„Heute habt ihr nicht einfach etwas gemacht, sondern einen Schritt gelernt. Wir haben Klang organisiert, ohne ein einziges Wort dabei zu benutzen. Nächste Stunde fragen wir: Wie können wir das, was wir eben mit Zeichen gemacht haben, auch aufschreiben - so, dass es jemand anderes lesen kann?“

Übungskarten zur Stunde

Diese Karten helfen während der Durchführung: Aktivität, Übungslogik und konkrete Unterrichtshandlung.

Praxisfenster

Stummes Dirigat

Die Zeichen sollen zuerst wirken, bevor sie erklärt werden.

Die Lehrkraft spricht während der ersten Dirigatübung nicht. Konzentration, Blick und körperliche Zeichen tragen die Verständigung.

Aktivität

Schülerdirigate

Leitung wird Verantwortung: Wer dirigiert, ordnet Klang für die Gruppe.

  1. Schülerdirigat I
  2. Reflexion
  3. Schülerdirigat II mit Verbesserungen
  4. ggf. dritte Runde
Tafelbild

Zeichen -> Verständigung

Sicherung: Gemeinsamer Klang braucht geteilte Zeichen und Aufmerksamkeit.

Klang verändert sich, wenn Zeichen lesbar werden und alle auf sie reagieren.

Praxis während der Durchführung

Diese Hinweise gehören nicht in den schnellen Überblick. Sie sind hier richtig, weil sie beim tatsächlichen Unterrichten helfen: Was bedeutet die Stunde im Modul, welche Reaktionen sind erwartbar, wo kann es haken und wie bleibst du handlungsfähig?

Unterrichtliche Vertiefung

Funktion der Stunde im Modul

UE2 verschiebt den Fokus: Klang wird durch körperliche Zeichen formbar.

  • UE1 hat gezeigt: Klang ist bereits da und kann bewusst wahrgenommen werden.
  • UE2 zeigt: Klang lässt sich ohne Sprache organisieren, wenn Zeichen geteilt und gelesen werden.
  • Das stumme Dirigat macht nonverbale Verständigung als musikalisches Werkzeug erfahrbar.
  • Die Schülerdirigate bereiten grafische Notation vor: Ein Zeichen muss für andere lesbar sein.
Übungen und Durchführung

Stille, Hörjournal, Rückblick, stummes Dirigat, Reflexion und Schülerdirigate bilden den Lernbogen.

  1. 1. Stille und HörjournalDas Wahrnehmungsritual wird wieder aufgenommen.
  2. 2. Rückblick UE1Die dichte Klangfläche wird als Ausgangspunkt erinnert.
  3. 3. Stummes DirigatDie Klasse deutet Zeichen ohne verbale Erklärung.
  4. 4. ReflexionWelche Zeichen wurden verstanden? Was wurde dadurch möglich?
  5. 5. SchülerdirigateSchülerinnen und Schüler übernehmen Leitung und Verantwortung.
Material- und Zeichentabelle
ZeichenBedeutung
Zeigefinger erhobenKonzentration, Ruhe, gleich geht es los
Zeigen + Handfläche hochEinzelne Person setzt ein und wird lauter
Handfläche nach untenEinzelne Person wird leiser
Zeigen + WegwischenEinzelne Person pausiert
Beide Hände über Kopf + WegwischenAlle stoppen

Didaktische Hinweise

Erwartbare Schülerreaktionen

Viele verstehen Zeichen intuitiv, einige reagieren verspätet, manche nutzen das Dirigat als Bühne.

Überraschung, dass Zeichen ohne Erklärung funktionieren, ist produktiv. Unsicherheit beim Dirigieren ist kein Problem, sondern Teil der Lernbewegung: Wer leitet, merkt, ob ein Zeichen lesbar ist.

Handlungsempfehlungen nach Neuer Autorität

  • Präsenz zeigen: Während des stummen Dirigats nicht reden, sondern mit Blick, Stand und Wiederholung führen.
  • Verantwortung geben: Schülerdirigate kurz halten und danach konkret reflektieren.
  • Funktionale Aufgabe statt Bloßstellung: Störende Schülerinnen und Schüler beobachten, Zeichen spiegeln oder Einsätze sichern lassen.
Herausforderungen

Die größte Herausforderung ist, nicht zu sprechen und die Zeichen wirken zu lassen.

Sobald die Lehrkraft erklärt, verliert die Übung ihre eigentliche Lernfrage. Gleichzeitig darf die Gruppe nicht in Show oder Passivität kippen. Klare Beobachtungsfragen, kurze Dirigate und planvolle Rollenwechsel halten die Stunde arbeitsfähig.

Übergang / Sicherung

Sicherungssatz: Gemeinsamer Klang braucht Zeichen, Aufmerksamkeit und Vereinbarung. Übergang zu UE3: Wie können wir das, was wir mit Zeichen gemacht haben, so aufschreiben, dass jemand anderes es lesen kann?